Schulgebäude Beethovenplatz

Ende der 1850er Jahre herrschten in den Räumen des Akademischen Gymnasiums, das sich damals in der Bäckerstraße befand, katastrophale Verhältnisse. Die beengten, finsteren Lehrräume ließen einen akzeptablen Unterricht bei ständig wachsender Schülerzahl nicht mehr zu und so nutzte der damalige Direktor die Gunst der Stunde und regte bei der Schulbehörde einen Neubau in den Stadterneuerungsgebieten an, die in Wien durch Auflassung der ehemaligen Befestigungsanlagen gerade frei wurden. Kaiser Franz Joseph I. stellte mit Entschließung vom 12. Jänner 1862 die Bauparzelle am heutigen Beethovenplatz zur Verfügung, die damals aber noch ziemlich einsam am Glacis, in der Nähe des unregulierten Wienflusses lag. Da der Kaiser auf einen Repräsentationsbau Wert legte, wurde der damalige Dombaumeister von Sankt Stephan und Professor an der Akademie der bildenden Künste, Friedrich von Schmidt, mit der Planung des Gebäudes beauftragt. Am 5. Oktober 1863 wurden schließlich die Bauarbeiten begonnen und in nur dreijähriger Bauzeit abgeschlossen. Die offizielle Eröffnung fand am 17. Oktober 1866 statt.

Schulfassade4

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Fassade Schulgebäude

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Schmidt wählte für seinen ersten repräsentativen Profanbau in Wien den neugotischen Stil. Der freistehende Baublock ist in seinen Außenflächen einfach und ernst gestaltet, die Seitenfassaden sind von Mauervorsprüngen (Risaliten) unterbrochen. Eine Ausnahme macht nur die Vorderfront des Gebäudes, die dem Beethovenplatz zugewandt ist. Ihr Mittelrisalit ist durch acht vorspringende Strebepfeiler in sieben Felder geteilt, die in ihrer architektonischen Gestaltung den Eindruck von ernster Feierlichkeit vermitteln. Über Stufen gelangt man zu den drei spitzbogigen Eingangstoren, vor dem Fest- und Prüfungssaal im zweiten Stock befinden sich sieben größere Spitzbogenfenster, über denen jeweils drei Wappen der Kronländer der Monarchie angebracht sind. Die Strebepfeiler sind mit Fialen abgeschlossen, verbunden mit sieben Spitzgiebeln. Fialen und Giebel liegen bereits vor der Dachfläche; die Fläche des größeren Mittelgiebels ist mit dem Bild des Doppeladlers geschmückt.

Bei der Einrichtung des Gebäudes hatte man an alles gedacht, was man in der damaligen Zeit für notwendig und wichtig hielt:

  • 13 Klassenzimmer , Schulhof
  • Zeichen-, Turn, Naturgeschichts-, Physiksaal
  • Lehrmittelsammlungen
  • Bibliothek mit Leseraum
  • Direktionskanzlei, Konferenzzimmer
  • Prüfungssaal mit Kapelle für den täglichen Schulgottesdienst
  • Direktorswohnung mit eigenem Treppenaufgang
  • zwei Wohnungen für Schulwarte im Erdgeschoß

Ein besonderes Schmuckstück stellt der Festsaal dar, dessen offener, reich bemalter hölzerner Dachstuhl sich an englischen Vorbildern orientiert. Ein durch Säulen abgegrenztes Seitenschiff ist dem Hauptraum angegliedert.

Das Konzept von Friedrich von Schmidt hat sich in den seither abgelaufenen Jahren eigentlich bestens bewährt. Abgesehen von Alterung des Mobiliars und Abnützung durch jugendliche Kräfte musste lediglich die Infrastruktur, wie Stromversorgung, Beheizung etc. erneuert werden. Die heute anstehenden Probleme liegen darin, dass das Schulgebäude aufgrund des bestehenden Denkmalschutzes nicht erweiterbar ist und somit enorme Probleme mit den wachsenden Schüleranmeldungen und modernen Unterrichtsformen, wie z.B. der Ganztagsschule, entstehen werden.